Fritz von Farenheit

Fritz von Farenheid

und seine Kunstschöpfung Beynuhnen zum Gedächtnis an seinen 100. Todestag

Im Drei-Kaiser-Jahr 1888 – vor nunmehr 100 Jahren – starb am 8. Juni auf Schloss Beynuhnen, Krs. Darkehmen, im Alter von 73 Jahren, hoch geehrt, der Begründer der Kunstschöpfung Beynuhnen Fritz von Farenheid.

Er war der letzte männliche Nachkomme eines Geschlechts, das durch seine letzten 4 aufeinanderfolgenden Generationen, seinen Namen in die Geschichte Ostpreußens eingeschrieben hat. Er war Mitglied auf Lebenszeit des preußischen Herrenhauses zu Berlin, Ehrenmitglied der königlichen Akademie der Künste in Berlin, Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Albertus-Universität zu Königsberg i. Pr. Durch den preußischen König wurde ihm im Jahre 1887 der Stern zum Kronenorden verliehen.

Fast in jedem Jahr verbrachte er den Winter in Italien, von wo er, angeregt durch die schönen Formen des Südens und die wohltuende Luft, in seine kalte Heimat, reich an erworbenen und in Auftrag gegebenen Kunstwerken zurückehrte, um vom Spätfrühling ab sich seines Musensitzes zu erfreuen. Seine letzten Lebensjahre waren von Krankheiten überschattet. Er litt an Kreislaufbeschwerden, Asthma und an Arthritis der Kniegelenke. Das Gehen fiel ihm schwer, denn sein Körpergewicht überstieg erheblich das Normalgewicht. Die anstrengenden Kuren, denen er sich unterzog, u. a. bei dem Leibarzt Bismarcks, Prof. Dr. Schweninger, brachten nicht den erhofften Erfolg.

Die letzte Kur, die länger als erwartet dauerte, hinderte ihn noch einmal nach Italien zu reisen. Der Misserfolg der letzten Kur ließ ihn trübe in die Zukunft schauen. Zum ersten Mal kehrte er nach einer Kur nicht als derselbe nach Beynuhnen zurück. Eine Überanstrengung bei der Besichtigung seiner Güter warf ihn auf das Krankenlager; eine Lungenentzündung trat hinzu, die nach 8 Tagen das Ende herbeiführte. Seine Leiche wurde zunächst in einem der kühlen Säle, dem ,,Europa-Zimmer aufgebahrt, inmitten der Bilder menschlicher Schönheit, wie sie die, Venezianische Schule geschaffen hat. Feierlich und harmonisch verlief die Beisetzung. Das Geleit der Militärkapelle aus Gumbinnen mit dem tiefen und seelenvollen Trauermarsch Chopins, bei lichtem Sonnenschein, war weihevoll. Von einer reichen Trauergruppe gefolgt, die Kinder seiner Schulen den Weg umrahmend, schritt man der letzten irdischen Stätte zu.

Er wollte nicht, dass man ihn in dem düsteren Gewölbe des Erbbegräbnisses in Rittergut Angerapp beisetzt, sondern inmitten seines Parkes, östlich vom ,,Dorischen Tempel“, neben dem beklagten Freunde Major Ulrich von Salpius unter einer schlanken Säule, die ein Bildwerk trägt. Es ist die Statue der Hoffnung  von Thorwaldsen.

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Leicht und sicher schreitet sie vor, die Knospe tragend, die zur Blüte reifen soll. Stets ruht die Abendsonne auf ihr und auf den Wipfeln der Bäume, die sie umgeben. Dieses Denkmal hat von Farenheid seinem Freund und Mitschöpfer von Beynuhnen Ulrich von Saiplus, der hier ruht, nach dem Vorbild des Humboldtschen zu Tegel, errichten lassen.

Wir lesen auf der marmornen Grabesplatte für den verstorbenen Freund die Worte der Offenbarung: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“

Der schwarze mit Samt überzogene Sarg, mit herrlichen Blumenspenden von nah und fern geschmückt, senkte sich in die Tiefe, bis die Fliederfülle des Gartens die Gruft verhüllte. Auf dem Grabstein des Entschlafenen konnte man die von ihm selbst verfasste bedeutsame Inschrift lesen, die von seiner christlichen Gesinnung Zeugnis ablegt:

„Verlassend eine Welt,
reich an unbefriedigter Sehnsucht,
erharre ich in Demut,
der großen Offenbarung im Herrn.“

Die Tatsache, dass im Osten des Königreiches Preußen, in der Nähe der damaligen russischen Landesgrenze, eine einmalige Kunstschöpfung von privater Hand entstand, wirft die Frage auf nach ihrer Entstehung, dem Lebensbild des Schöpfers und dem Wirken seiner Vorfahren, denen er die reichen Mittel zur Durchführung seiner idealen Pläne verdankte. Die Farenheids sind eine in Ostpreußen seit Jahrhunderten ansässige Familie. Um 1500 wanderte der erste Farenheid von Rostock nach Königsberg ein. Die Vorfahren von Fritz von Farenheid zeichneten sich durch eine nicht gewöhnliche Willenskraft und wirtschaftlichen Sinn aus. Sie waren fast ausnahmslos Vertreter des Kaufmannstandes. Sie bekleideten oft ehrenvolle Ämter wie die eines Ratsherren, eines Gerichtsverwandten oder eines Kirchenvorstehers im Kneiphof in Königsberg.

Ich verzichte, hier die Vertreter der Familie Farenheid aufzuführen, von denen nichts weiter als Namen und Lebensalter bekannt sind. Es sei jedoch erwähnt, dass ein Bernhard Farenheid (1514–1551) einen Christoph Weissenfellsmit der Abfassung einer Chronik des Deutschen Ordens betraute und verewigte sich in der Einleitung derselben, ,,um als ein Liebhaber der Historien hierin erkannt zu werden“. Auch müssen die Farenheids in Königsberg schnell Fuß gefasst haben, denn 1523 erben die Kinder Farenheids und die Familie Maraun das große Vermögen der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Pyning. Prof. Dr. Fritz Gause, der Geschichtsschreiber der Stadt Königsberg nimmt an, dass die Farenheids mit dem Erblasser verschwägert waren. Der älteste über den die Quellen berichten und von dem wir mehr wissen, ist der spätere Kommerzienrat Friedrich Reinhold Farenheid.

Er wurde als Sohn des Kaufmannes Reinhold Farenheid – das Geburtsdatum ist nicht festzustellen – und seiner Ehefrau Katharina, Tochter des Kaufmannes Smit, geboren. Er heiratete Johanna Lovisa, Tochter des Kunfürstlich-Sachsen-Meiningschen Hofrates von Hoffmann. Durch sein kaufmännisches Genie und im Besitz des Salzmonopols hatte er ein großes Vermögen erworben, dass er durch Armeelieferungen während der Besetzung Ostpreußens durch die Russen im „Siebenjährigen Krieg“ (1756–1763) noch vergrößerte und teilweise in landwirtschaftlichem Grundbesitz anlegte. 1760 wurde er zum Stadtrat gewählt. Am 25.4.1763 ernannte ihn der preußische König Friedrich II. wegen „seiner Urschicklichkeit, seiner Wissenschaft und Kenntnis von Kommerziensachen, sowie seiner Redlichkeit zum preußischen Kommerzienrat mit Sitz und Stimme im Kommerzkollegium.“

Wegen Schwierigkeiten mit der Königsberger Kaufmannschaft gab er seine Handelsgeschäfte auf. Er wollte nicht auf den gewöhnlichen Stand eines Krämers absinken. Die Einfachheit und die Strenge gegen sich selbst waren allgemein bekannt wie auch das Wohlwollen gegenüber seinen Nächsten. Die edelste Tat, die er den Armen und Bedürftigen erwiesen hat, ist die am 10.10.1764 erfolgte Begründung des nach ihm benannten Armenhauses in Königsberg, das er mit 50.000 Gulden dotierte. Nach Fertigstellung übernahm er noch sämtliche Baukosten, so dass die gestifteten 50.000 Gulden ohne allen Abzug, nur zur Unterstützung der darin Unterzubringenden, dienen konnten.

Nach seinem Tode zerfiel der Besitz in 3 Teile. Es erhielten: Fritz von Fahrenheid die Kl. Beynuhnschen Güter und Angerapp. Frederike Charlotte von Fahenheid, verheiratet mit Siegmund von Bujack, Gr. Medunischken und Oschnagorren. Emile Henriette Frederike von Farenheid, verheiratet mit dem Pfarrer Dr. Voigdt an der Sackheimer Kirche zu Königsberg, die Dombrowkenschen Güter und Auerfluß mit Wollehlen.

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Friedrich Reinhold Farenheid starb am 14.10.1781 in Königsberg. Sein einziger Sohn und Erbe Johann Friedrich Wilhelm Farenheid wurde am 17.2.1747 in Königsberg geboren. Seine Mutter war Lovisa von Hoffmann. Nach dem Wunsch des Vaters sollte der Sohn nach vollendetem Studium die Zivillaufbahn einschlagen. Dieser zeigte jedoch eine so ausgesprochene Vorliebe für den Soldatenstand, dass er sich gegen den Willen des Vaters heimlich bei den schwarzen Husaren anwerben ließ. Der Vater, auf das schwerste erzürnt, wollte sein einziges Kind enterben und sein großes Vermögen wohltätigen Anstalten und dem staatlichen Interesse zuwenden. Alle dringenden Bitten und Vorstellungen der Verwandten und Freunde prallen an der eisernen Natur des Mannes ab, bis endlich im entscheidenden Augenblick das energische Auftreten seiner Schwägerin, der Baronesse von Oberländer, die väterlichen Gefühle wieder erweckte und somit Verzeihung dem Sohne erwirkte.

Nur mit Mühe und vornehmlich durch die Bemühungen des befreundeten Generals von Lossow konnte der Sohn von den eingegangenen Verpflichtungen befreit werden. – Friedrich Wilhelm Farenheid trat darauf dem Wunsche seines Vaters gemäß in die Zivillaufbahn ein und war bald darauf als Kriegs- und Domänenrat bei der Regierung zu Gumbinnen angestellt. – Hier vermählte er sich mit der Tochter des Kriegs- und Domänenrats Austin welche ihn zum Vater von 4 Kindern machte, von denen alle jedoch bis auf den ältesten Sohn Friedrich in früher Jugend starben. Sein Schwiegervater, der Kriegs- und Domänenrat Austin, war 1777 für die Stadt Darkehmen der zuständige „Commissanus loci“ und weilte als Vertreter der Königlichen Kriegs- und Domänenkammer Gumbinnen in unserer Heimatstadt aus Anlass der Fertigstellung des erbauten Rathauses. In der Kugel des aufgesetzten Turmkopfes befand sich eine Dokumentation, die Austin als Ehrengast aufführte.

Der ausgedehnte landwirtschaftliche Besitz nötigte ihn 1779 den Staatsdienst aufzugeben. In Ostpreußen reichte sein Güterkomplex von der Südseite des Darkehmer Kreises, den Angerburger und Insterburger Kreis berührend, durch den nördlichen Teil des Gerdauer Kreises bis zur Mitte des Wehlauer Kreises hinauf. In Westpreußen gehörten ihm die Herrschaft Flatow und weitere Güter in Polen. Im Jahre 1786 wurde er vom König Wilhelm II., dem er Gelegenheit hatte, persönliche Dienste zu erweisen, in den Adelsstand erhoben 1793 erwarb er die Begüterung Kl. Beynuhnen von Major Friedrich Wilhelm von Dönhoft und dessen Ehefrau Anna Sophie geb. von Langermann und verlegte seinen Wohnsitz nach Kl. Beynuhnen. Man sagt mit einiger Übertreibung, dass er von Beynuhnen nach Königsberg auf eigenem Grundbesitz fahren konnte.

Im Kreise Darkehmen gehörten ihm die Güter Angerapp Medunischken, Groß- und Klein-Beynuhnen, Mikalbude, Auerfluß, Dombrowken, Launinken und andere. Zu seiner Zeit war er wohl der reichste Mann Qstpreußens, von fortschrittlicher und humaner Gesinnung. Er hob als erster freiwillig die Erbuntertänigkeit der Bauern auf. Er war ein Förderer der rationellen Landwirtschaft durch Verbesserung des Getreide- und Futteranbaues, der Rindviehzucht und der Vollblutgestüte. Nach dem frühen Verlust seiner hoffnungsvollen Kinder, eines Sohnes und 2 Töchter und dem darauf bald folgenden Tod seiner sanften und liebevollen Gattin, begannen auch äußere Schicksalsschläge seine materiellen Güter zu erschüttern. Die napoleonischen Kriege mit ihren furchtbaren Folgen zwangen von Fahrenheid, einen großen Teil seiner Güter aufzugeben. Der Verkauf seiner Besitzungen im Gerdauer und Wehlauer Kreis nahmen 10 Jahre seines Lebens in Anspruch. Die Herrschaft Flatow verkauft er 1820 dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. Es verblieben ihm die großen Begüterungen im Kreis Darkehmen.

So hatte der schwer geprüfte Mann aus den Trümmern seines Vermögens noch einen bedeutenden Besitz gerettet, an dessen Verbesserung er sich bis zu seinem Tode bemühte. Seine letzten Tage waren dunkel, denn sein Augenlicht war erloschen. Er starb 88 Jahre alt am 7.9.1834 und wurde im Angerapper Mausoleum beigesetzt. Der einzige Sohn und Erbe Friedrich Heinrich Johann Farenheid wurde am 3.11.1780 in Königsberg i.Pr. geboren. Er hatte noch 3 Geschwister, die im frühen Kindesalter starben. Der Vater behandelte ihn streng im Sinn der damaligen Zeit und blieb trotz seiner Gutmütigkeit mit ihm formell und ernst. Die Erziehung durch den Vater setzte ihm die religiöse sowie die politische Grenze. Neben dem Unterricht durch den Lehrer Meyer regte dieser bei dem Jungen die Liebe zu den Pferden an, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte. Im Jahre 1799 bezog Friedrich von Farenheid die Universität Königsberg, wo er mit Begeisterung namentlich Kant und den Prof. der Staatswissenschaften Kraus hörte. Mit Empfehlungsbriefen Kants wechselte er die Universität und ging nach Göttingen. Ihm behagte hier das Leben unter den aus den wohlhabendsten Familien aller Länder stammenden Studenten nicht. Er wollte das Leben in seiner großen Fülle kennen lernen. Es begannen Studienreisen von 1801 bis 1806, die ihn nach Frankreich, Nordamerika – hier lernte er den amerikanischen Präsidenten Jefferson kennen, der ihn im alten Frack und Pantoffeln empfing – weiter nach England, Schweiz und Italien, um die Landwirtschaft und insbesondere die Pferdezucht und die Reitkunst kennenzulernen.

In der Heimat hob er das Gestütswesen und hatte nächst dem Herzog von Holstein-Augustenburg das größte Privatgestüt auf dem Kontinent. Er war Mitbegründer der Pferderennen in Königsberg und Danzig. 1821 war er Gründer der Landwirtschaftlichen Gesellschaft für den östlichen Teil der Provinz Ostpreußen.

Während der Notstandsjahre zeichnete er sich durch patriotische Opferbereitschaft und Fürsorge für die Bauern seiner 26 Dörfer aus, durch Hebung des landwirtschaftlichen Schulwesens und der Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Im Jahre 1822 gehörte er zu den Notabeln, welche vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. nach Berlin berufen wurden zur Begutachtung des neu zu erlassenden Gesetzes über die Provinzialstände. Als Mitglied dieses Gremiums wirkte er mit seinen ganzen Kräften mit, bis eine zunehmende Krankheit in den 40er Jahren diese Tätigkeit unmöglich machte.

In seiner Hilfsbereitschaft, seiner Menschenliebe, dem Adel seiner Gesinnung ist er der bedeutendste seines Geschlechts. Man gab ihm den Ehrennamen „Der Weise von Angerapp“. Er war seit dem 30.3.1808 verheiratet mit der Schwester seines Studienfreundes aus Göttingen, Wilhelmine geb. Lehmann, Tochter des Pfarrers Johann Gottfried Lehmann aus Ducherow bei Anklam. Aus der Ehe sind 4 Kinder hervorgegangen. Das erstgeborene Kind, die Tochter Ninette, starb bereits im Kindesalter. Es folgten der Sohn Fritz und 2 Töchter Frederike und Emille. Die Mutter Wihelmine von Farenheid verstarb am 30.12.1847 in Angerapp und wurde in dem dortigen Mausoleum beigesetzt. Friedrich Heinrich Johann von Farenheid stirbt am 28.2.1849 unvermutet in Steinort, beim Besuch der Familie Lehndorf und wird neben seiner Gattin im Mausoleum in Angerapp beigesetzt.

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Der Erbe von Kl. Beynuhnen der Kunstsammler

Fritz von Farenheid wurde am Reformationstag, dem 31.10.1815, zu Angerapp geboren. Aus der Taufe hat ihn sein Großvater, der Kriegs- und Domänenrat Friedrich Wilhelm von Farenheid und dessen Studienfreund, der spätere Minister von Schön gehoben. Fritz von Farenheid besuchte das königliche Friedrichskolleg in Königsberg wo sein Lehrer und spätere Freund, der berühmte Philologe Karl Lehrs, ihm Liebe und Begeisterung für das klassische Altertum einflößte. Als sein Schüler studierte er in Königsberg weiter griechische Literatur und Religionsgeschichte. Nach Abschluss des Studiums erfüllte ihm der Vater den lange gehegten Lieblingswunsch einer Reise nach Griechenland und dem Orient, in der Erwartung, dass dadurch seine Griechenschwärmerei zum Abschluss kommen werde. 1841 trat er diese Reise in Begleitung des Generalleutnants a. D. von Twardowski an. Längere Zeit verweilte er in Griechenland, Konstantinopel. Kleinasien und Jerusalem. Zum Verdruss des Vaters und des ganzen Verwandten- und Bekanntenkreises hatte diese Reise die ideale Lebensrichtung in ihm gekräftigt und dem praktischen Beruf entfremdet.

Gegen seine Vorfahren hebt sich Fritz von Fahrenheid in seiner besonderen Eigenart ganz auffallend ab. Ein großer Gegensatz besteht zwischen dem auf den praktischen und wirtschaftlich gerichteten Sinn des Vaters zu dem von der Schönheit der Kunst erfüllten, von Liebe zu ästhetischen Idealen erfüllten Denken des Sohnes.

Im Jahre 1851 unternahm von Farenheid seinen ersten Römerzug. Seit diesem Jahr kamen von jenseits der Alpen, später auch aus Paris, aus London, aus den Niederlanden die wohlverpackten Gipsabdrücke in Kl. Beynuhnen an. Wiederholt kehrte er später mit seinem Freund, dem 1867 verstorbenen Major Ulrich von Salpus, nach Italien zurück. Es folgten weitere Reisen nach England und Kopenhagen. 1859 wurden größere nach Frankreich und Spanien gemacht. Von Farenheid brachte die Winter meist in Italien zu. Seine Liebe gehörte den Meisterwerken antiker Baukunst und Plastik und den Gemälden der Hochrenaissance. Sie suchte er in Nachbildungen, Abgüssen und guten Kopien, aber auch in Originalen in seine Heimat zu verpflanzen. Im Laufe der Jahre erwarb von Farenheid die Gipsabgüsse aller berühmten und bedeutenden Werke der antiken Plastik. Abgüsse waren damals keine Massenware, die man in jedem Museum sehen konnte, sondern Kostbarkeiten, die als solche gesammelt wurden. Noch gab es keine Eisenbahn nach Ostpreußen. Erst seit 1866 wurde Insterburg Station der Ostbahn, 1876 die Teilstrecke Insterburg – Darkehmen – Goldap gebaut. Bis dahin mussten die schweren Bildwerke mit hohen Kosten und Mühen durch Schiffe und Wagen an ihren Bestimmungsort Kl. Beynuhnen gebracht werden.

Besonders liebte von Farenheid von seinen Kunstschätzen die „Laokoongruppe“; die im Dorischen Tempel im Park des Schlosses aufgestellt war. Von den Gemälden war es die alte wertvolle Kopie der Mona Lisa – genannt „La Gioconda“ von Leonardo da Vinci, die im Arbeitszimmer des Schlossherrn ihren Platz gefunden hat. So gründete er mit reichen Mitteln in Beynuhnen die im ganzen Osten einzig dastehende Kunstschöpfung, bestehend aus einem neu erbauten Schloß in klassischem Stil mit Räumen für die gesammelten Kunstwerke, und einem waldartigen Park mit einem dorischen Tempel, einer Korenhalle und einer Säulengalerie sowie zahlreichen Abgüssen antiker Statuen. Mit der Anlage des Parkes wurde bereits 1847 begonnen. Er wurde nach und nach unter technischer Hilfe des Gärtners Freyschmidt fertiggestellt. Der Antikensaal wurde 1852, der übrige Teil des Schlosses von 1861 bis 1864 durch den Bildhauer und Architekten Albert Weiß erbaut.

Das hell gehaltene schloss mit den darin aufgestellten antiken Statuen, den Originalen und Kopien von Gemälden der Hochrenaissance riefen Jahr für Jahr tausende von Besuchern herbei. 210 der berühmtesten Werke europäischer Gemäldegalerien barg das Schloss in seinen Räumen als Kopien. Hinzu traten 60 Originale und 25 Abgüsse antiker Plastiken, die im Park auf Sockeln aufgestellt waren. „Alle diese Werke der Griechen und Römer … sollten hier nicht stören, eines das andere, sondern in schöner Harmonie einer idealen Einheit eine umfassende, harmonische neue Schöpfung begründen“, äußerte von Farenheid einmal und umgrenzte damit zugleich den Sinn und die Aufgabe seiner Sammlung. Er ordnete ausdrücklich die Öffentlichkeit der Sammlungen an, die er seit 1854 in den Sommermonaten durchgeführt hatte.

Es drängt sich die Frage auf, was aus dem Schloss und den wertvollen Sammlungen geworden ist. Nach C. von Lorck in seinem Buch „Vom Geist des Deutschen Ostens“, spielt sich die spätere Geschichte der Kunstschöpfung Beynuhnen wie folgt ab: Der Erbe des Majorates war Friedrich von Bujak, Sohn der Schwester Frederike des Sammlers. Er nahm den Namen Farenheid an, ebenso sein Sohn, der nächste Besitzer, der kinderlos starb. Der nachfolgende Erbe war Wolfgang von Altenstadt, ein Enkel der Schwester Frederike, der gleichfalls den Namen Farenheid erhielt. Um die Kunstschöpfung für die Dauer zu sichern, hatte der Sammler weit vorausschauend bestimmt, falls die Fideikommisse in Zukunft aufgehoben würden, dass die Sammlungen, Schloss und Park einbegriffen, der Fürsorge der Provinz Ostpreußen unterstellt werden sollten. Im Jahre 1929 wurde das Familienmajorat aufgelöst. Die „Von Farenheitsche Kunstschöpfung Schloss Beynuhnen“ wurde zu einer Stiftung umgewandelt, beaufsichtigt von einem Verstande und verbunden mit einem Waldgut für die Erhaltung, welches aus einem erheblichen Teil der Gesamtbegüterung bestand. Der heutige Zustand von Beynuhnen ist unbekannt, da es seit 1945 in der russischen Besatzungszone Ostpreußens liegt. Auf dem Wege über eine Warschauer Festschrift kommt 1966 die im Interesse der Sache hochwillkommene Nachricht über das Auftauchen eines römischen Bildniskopfes in Marmor aus der Beynuhner Sammlung Farenheids.

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In den „Melanges offerts „Kasimir Michalowski“, Varsovie 1966, befindet sich ein Aufsatz von Zsolt Kiss über den antiken Kinderkopf (S.505 bis 508), welchen Bernhard Schweitzer 1927 als Büste der Julia, Tochter des Augustus, bestimmt hat (C. v. Lorck, Vom Geist des Deutschen Ostens, Berlin 1967, Seite 60, Abb. 30 und 31) über die Herkunft wird nur gesagt: provient de Zlotow et est entre’e au Muse’e de Varsove en 1946“ (stammt aus Flatow und wurde 1946 ins Warschauer Museum aufgenommen). Das ,,Deutsche Adelsblatt“ vom 15.6.1973 macht in seiner Nr. 6, in einem Artikel über schloss Beynuhnen, Angaben über den Verbleib der Kunstschätze.

Vor dem Einmarsch der Russen wurden die transportablen Kunstgegenstände auf Wunsch der Besitzerin, Frau Gertrud von Farenheid, in mehreren Zugwagen zur Herrschaft Flatow geschafft. Die wertvollen Originale der Bilder wurden aus den Rahmen geschnitten und nach Zoppot gebracht, wo sie einem polnischen Grafen zu treuen Händen übergeben wurden. Alles aber ist verschwunden. Das umfangreiche alte Porzellan wurde im Park vergraben. Auch davon fehlt jede Spur. Der Flügel des Schlosses mit der Korenhalle brannte 1945 während der von zwei Kommissaren geleiteten amtlichen Plünderungen aus. Beynuhnen liegt heute in dem von den Russen besetzten Teil Ostpreußens nur etwa 4 Kilometer von der Demarkationslinie entfernt. Jedes weitere Schicksal ist unbekannt. Nach Aussagen von Landsleuten, die den Einmarsch der „Roten Armee“ in Kl. Beynuhnen und Umgebung überlebt haben, soll das Schloss unbeschädigt in den Besitz der Russen gekommen sein. Bei der Plünderung bzw. beim Abtransport der Kunstschätze ist durch einen Brand der nordwestliche Teil des Schlosses zerstört worden.

Landsmann Werner Wilkat aus Gr. Beynuhnen schrieb für den Angerapper Heimatbrief 1986 den Artikel: Eine Reise in das Kirchspiel Dombrowken (Eibenburg). Er führt darin aus: „Dombrowken ist heute mit Groß Sobrost durch eine feste Straße und eine massive Brücke über die Angerapp hinweg verbunden. Hinter dem Gutshaus in Dombrowken zweigt die Straße zur Angerappbrücke ab und führt auf der anderen Seite auf einem früheren Wiesenweg in einem Abstand von ca. 500 m nördlich an dem Ort Klein Sunkeln vorbei. Alsbald danach sieht man nördlich durch die Talsenke des Mühlengrabens das weiße Schloß und den Scheunenturm von Klein Beynuhnen liegen, wo viele Kunstwerke, die die Russen abtransportiert haben, vor dem Krieg die Ausflügler erfreuten. Die Russen müssen den Park abgeholzt haben. Anderenfalls könnte man die Gebäude nicht sehen. Der von mir öfter gehörte Einwand, das Schloß ist abgebrannt, meine Beobachtung könne nicht stimmen, ist unzutreffend. Ausgebrannt ist 1945 nur, wie Frau Jennet aus Groß Beynuhnen miterlebt hat, der dem Blick abgewandte nordwestliche Teil.“

Der heutige Zustand des Schlosses und der Verbleib der Kunstschätze sind unbekannt. Die UdSSR hat den „Kaliningrader Bezirk“ – unser Nordostpreußen – noch nicht für den Tourismus freigegeben. Sollte es einmal dazu kommen, so werden wir vielleicht mehr über das Schicksal des Schlosses Beynuhnen und seiner Kunstschätze erfahren. Für uns wird es aber immer heißen:

„Es war einmal“

Karl Heinz Czerlinski, Kreisältester des ostpreußischen Kreises Darkehmen/Angerapp, früher Darkehmen

  1. Fr. von Bujak-Ramburg, Fritz von Farenheid-Beynuhnen. Eine Lebens Skizze. Königsberg i. Pr. 1890.
  2. Derselbe, Beynuhnen eine Kunstschöpfung in Litauen als Manuskript gedruckt, Leipzig 1868.
  3. Dr. K. H. Olasen, Schloß Beynuhnen und seine KunstsammIungen. Herausgeber: von Farenheid’sche Kunstschöpfung Schloß Bevnuhnen, Sturmverlag lnsterburg 1939.
  4. H. Czerlinski, Fritz von Farenheid, Beynuhnen, Angerapper Heimatbrief 1977.
  5. Derselbe, Eigne Erinnerungen.
  6. Deutsches Adelsblatt, vom 15.6.1973 Nr.6 Beynuhnen, Kreis Angerapp.
  7. Fritz von Farenheid, Beschreibendes Verzeichnis der Abgüsse und nach Antiken im Schlosse zu Beynuhnen mit einleitendem Aufsatz über die  Grundideen griechischer Religion und Ethik. Königsberg i Pr. 1877.
  8. Dr. Fritz Gause. Die Geschichte der Stadt Königsberg Böhlau Verlag, Köln-Graz.
  9. Dr. M. Hecht, Führer durch Beynuhnen, die Kunstschöpfung Fritz von Farenheids Königsberg 1939.
  10. Katalog des Farenheidschen Schlosses Beynuhnen in Ostpreußen.
  11. Kopp, Beiträge zur Geschichte des Ostpreußischen Grundbesitzes Königsberg i. Pr. 1913.
  12. Krüger, Beiträge zur Geschichte der Familie Farenheid, Königsberg i. Pr. 1900.
  13. E.L. von Lorck, Landschlösser und Gutshäuser in Ost- und Westpreußen Weidlich Verlag Frankfurt.
  14. Derselbe, Neue Forschungen über die Landschlösser und Gutshäuser in Ost- und Westpreußen. Weidlich Verlag Frankfurt.
  15. Derselbe, Vom Geist des Deutschen Ostens, Diskurse zur Kunst und Strukturanalyse.
  16. Rogge, Geschichte des Kreises und der Dioecese Darkehmen, 1873 bei Siltmann in Darkehmen.
  17. Walsdorf, Das Mausoleum in der Luschnitz, Ostpreußenblatt v. 20.11.1965.
  18. Derselbe, Wilhelmine v. Farenheid, geb. Lehmann und ihre Vorfahren Altpreußische Geschlechterkunde 1983.
  19. Wilkat, Eine Reise in das Kirchspiel Dombrowken (Eibenburg) Angerapper Heimatbrief 1986.

Vermerk: Soweit man sich in diesem Bericht auf „Angerapp“ bezieht, ist das der Ort, der nach 1938 in Klein Angerapp, im Kirchspiel Kleinlautersee (vorher Schabienen) umbenannt worden ist, in dem die „Luschnitz“ mit dem Mausoleum liegt.

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