Landratsamt

Dokumentation der Kreis- und Stadtverwaltung über den Kreis und die Stadt Angerapp (Ostpreußen)

Lüneburg, den 16.10.1958
Berichterstatter: Kakrow, Regierungs – Oberinspektor, Lüneburg, Goethestraße 33

Zur Dokumentation der Kreis- und Stadtverwaltung für das Bundesarchiv berichte ich über den Kreis und die Stadt Angerapp (Ostpreußen) für den Zeitraum von 1923 bis 1940.

Während dieser Zeit war ich Leiter der staatlichen Abteilung der Kreisverwaltung, am 1.3.1941 wurde ich zum Heeresdienst eingezogen. Da mir Unterlagen für meine Berichterstattung nicht zur Verfügung stehen, will Ich versuchen, an Hand der Kreiskarte aus der Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und aus dem Gedächtnis das niederzuschreiben, was mir noch in Erinnerung ist. Die von mir angegebenen Zahlen sind geschätzt und bis auf die Angaben über die Schulen eher zu niedrig als zu hoch angegeben.

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I a)

Die Jahre vor der Machtübernahme bis 1933, Partei – Politische Verhältnisse in Kreis und Stadt, Die Partei – Politischen Verhältnisse entsprachen der wirtschaftlichen Struktur in Kreis und Stadt. Bis zum Jahre 1935 dominierten sowohl im Kreistag und Kreisausschuss als auch in der Stadtverordnetenversammlung und Magistrat die Deutsch-Nationalen. Bei den Wahlen zum Kreistag und zur Stadtverordnetenversammlung hatten sich die sogenannten Rechtsparteien (die Deutsch-Nationalen und Deutsche Volkspartei) zu einem Vaterländischen Block zusammengeschlossen, um einer Zersplitterung der national eingestellten Bevölkerungskreise vorzubeugen. Das Wahlergebnis entsprach denn auch diesen Erwartungen und sah so aus, das vaterländische Block in den Kreis- und Stadtparlamenten die absolute Mehrheit hatte und die SPD ca. 1/3 der Parlamentssitze innehatte. Die demokratische und kommunistische Partei sind über den Charakter einer Splitterpartei sowohl in den Kreis. als auch in den Stadtparlamenten nicht hinausgekommen. So hatten nach meiner Erinnerung die Kommunisten einmal 2 Sitze Im Kreistag inne, waren aber Ende der zwanziger Jahre bin 1933 nicht mehr im Kreistag vertreten. Die demokratische Partei hatte es meiner Erinnerung nach zu mehr als 1 Sitz Kreistag gebracht. Die SPD war wohl immer mit 2 Sitzen In Kreisausschuss vertreten. In der Stadt war das Verhältnis das gleiche wie im Kreis. In den Stadtparlamenten Ist die KPD nie vertreten gewesen. Im Herbst des Jahres 1923 versuchten die Kommunisten mit den aus den Rheinland gebürtigen Delvendahl und Seibold einen Putschversuch, der von der Polizei niedergeschlagen werden konnte, Die von Gumbinnen alarmierte Reichswehr brauchte nicht mehr einzugreifen. Die Kommunisten haben seit dieser Zeit weder Im Kreise noch in der Stadt eine politische Rolle gespielt. Die NSDAP hat im Kreis nur sehr schwer Fuß fassen können. Es kam im Jahre 1929 zur Gründung der ersten Ortsgruppe in der Stadt Angerapp. Die NSDAP war bis 1933 weder in den Kreis- noch in den Stadtparlamenten vortreten.

I b)

Über die Betriebsgrößen und Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe vermag ich mangels vorliegender Unterlagen keine Angaben zu machen. Der Kreis Angerapp bestand zum größten Teil aus Großgrundbesitz und Besitzungen mittlerer Größe von ca. 300–1000 Morgen. Der Anteil bäuerlicher Betriebe von einer Größe von 30–300 Morgen war gering, er kann ca. 40 % betragen haben. Der Kreis war ein ausgesprochen landwirtschaftlich genutzter Kreis, in dem Industrieunternehmen wie Molkereien, Ziegeleien, Sägewerke, Mühlen und Milchzuckerfabrik in ihrer Mehrzahl als landwirtschaftliche Nebenbetriebe anzusehen waren. Die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft war durchweg als gut zu bezeichnen, da die Ertragsfähigkeit des Bodens als gut, im Westen, Nordwesten, Norden und Nordosten des Kreises als überdurchschnittlich zu bezeichnen ist. Im Südosten des Kreises, in der Gegend von Gahlen, hatte der Boden masurischen Charakter und war weniger ertragreich. Trotzdem hatten auch hier die Bauern recht gut gewirtschaftet und ihre Wirtschaftsweise auf diesen Boden eingestellt. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Kreises und auch der Stadt, deren wirtschaftliche und finanzielle Lage von der Landwirtschaft abhängig war, war für den gesamten Wirtschaftszeitraum nicht nur als gesund, sondern als durchaus gut, ja wohlhabend zu bezeichnen. Irgendwelche Schwierigkeiten zur Ausgleichung des Kreis- und Stadtetats hat es nie gegeben, auch Steuerrückstände nennenswerter Art haben nie bestanden.

I c)

Landrat Willi Seroski früher Gerichtssekretär, dann Bürgermeister der Stadt Saalfeld in Ostpreußen, Mitglied der demokratischen Partei, kam nach dem Kapp – Putsch nach Angerapp und war bis Ende Februar 1933 Als Landrat tätig. Nach kurzer Amtstätigkeit des Regierungsassessors von Winterfeld von Ende April bis ungefähr Ende Mai 1933 als Landratsamtsvertreter, der sich durch die Art der Verhaftung des Rittergutsbesitzers Behm in Klewienen unmöglich gemacht und den Unwillen des größten Teils der Bevölkerung zugezogen hatte, wurde der Regierungsassessor Nikolaus von der Regierung Marienwerder nach Angerapp versetzt und gegen Ende des Jahres 1933 zum Landrat ernannt. Landrat Nikolaus war bis Herbst 1938 in Angerapp tätig und wurde anschließend in gleicher Eigenschaft Sensburg, Reg.-Bez. Allenstein versetzt. Sein Nachfolger wurde der Landrat den Kreises Schloßberg, früher Pillkallen, Uschdraweit, der diesen Posten bis zum Zusammenbruch innehatte. U. war bis zu seiner Ernennung zum Landrat des Kreises Schloßberg, Landwirt im Kreise Schloßberg und Kreisleiter der NSDAP dieses Kreises. Regierungsoberinspektor Kakrow, Leiter der landrätlichen Abteilung und Vertreter des Landrates vom 1.12.1923–28.2.1941. Kreisausschuß – Bürodirektor Franz Kramer, Leiter der Keiskommunalverwaltung seit 1912 bis zu seiner nachgesuchten Pensionierung im Jahre 1929. Sein Nachfolger wurde der damalige Leiter des Kreis-wohlfahrts- und Jugendamtes, Fritz Teske, der im Febr. 1934 verstarb. Nachfolger von Teske wurde der Damalige Bürgermeister und Amtsvorsteher Richard Kaiser, der auf Grund seiner Zugehörigkeit zur NSDAP diesen Posten erhielt, aber die vorgeschriebene Verwaltungsprüfung auf der Kommunal-Verwaltungsschule in Königsberg zu Beginn des Jahres 1936 ablegte. Kaiser war bis zum Zusammenbruch auf diesen Posten tätig.

Kreis-Wohlfahrts- und Jugendamt:
Leiter dieses Amtes war ein Kreisausschuß-Obersekretär Franz Müller von 1919 bis 1926. Müller schied nach rechtskräftiger Verurteilung wegen Veruntreuung aus dem Dienst des Kreises aus. Sein Nachfolger wurde Teske (s.o.). Nachfolger von Teske wurde der von der Kreisverwaltung Goldap versetzte Kreisoberinspektor Gustav Pilch, der diesen Posten bis zum Zusammenbruch innehatte.

Kreissparkasse:
Leiter der Kreissparkasse und Kommunalkasse war von 1919–1937 der Sparkassendirektor Alfred Feuerherdt, der wegen Krankheit und wohl auch wegen innerer Spannungen mit der NSDAP, sich frühzeitig pensionieren ließ, da F. der Sekte der 7-Tage Adventisten angehörte. Nachfolger von F‘. wurde der Sparkassen-Direktor August Roselieb der diesen Posten bis Kriegsausbruch innehatte, da er zu Beginn des Krieges zum Heeresdienst eingezogen wurde.

Kreisbauamt (Straßen- und Wegebauamt):
Kreisbaumeister Willi Kappe war bereits einige Jahre vor Ausbruch des l. Weltkrieges Leiter dieses Amtes. Er ist im Jahre 1941 verstorben. Der Posten ist bis zum Zusammenbruch nicht besetzt worden, Die Geschäfte dieses Amtes wurden vertretungsweise von dem Kreisbaumeister Schulte, Leiter des Kreiskulturamtes. wahrgenommen.

Kreiskulturamt:
Leiter dieses Anton war bereits vor Ausbruch den 1. Weltkriegen der Kreisbaumeister Hermann Schulte, der diesen Posten bis zum Zusammenbruch innehatte.

Stadtverwaltung:
Den Posten als Bürgermeister bekleidete ungefähr seit 1921/22 der frühere Kreissekretär den Kreises Militsch Ernst Schimkat bis Mitte des Jahres 1933. Sein Nachfolger wurde der Bürgermeister von Rhein/Ostpr., Horst Zachrau, der diesen Posten bis 1935 innehatte. Zachrau wurde in gleicher Eigenschaft in eine andere Stadt (meiner Erinnerung nach Riesenburg) versetzt, während sein Nachfolger, der Bürgermeister von Drengfurt, Günther Petry wurde, der diesen Posten bis zum Ausbruch des Krieges innehatte. P. ist Im Kriege als Oberstleutnant gefallen. Sowohl Zachrau als auch Petry sind auf Grund ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP zu Bürgermeistern der Stadt berufen worden. Leitender Bürobeamter war bereits vor dem 1. Weltkrieg bis zum Zusammenbruch der Stadtobersekretär Otto Blanck. Leiter der Stadtkasse war lange vor Ausbruch des 1. Weltkriegen der Stadtkassenrendant Karl Kretschmer, der Im Jahre 1931 verstarb. Sein Nachfolger wurde der Stadtrentmeister Baumeister, der nach seinem Tode (ca. 1937) durch den Stadtrentmeister Dr. Fritz Meyer abgelöst wurde. Dr. M. war altes Mitglied der NSDAP und soll auch gefallen sein.

I d)

Ich kann mich heute nicht mehr daran erinnern, ob Planungen vor 1933 vorgelegen haben, möchte dieses aber in Bezug auf Chaussee- und Straßenbauten, die Durchführung der systematischen Drainagearbeiten und die Bildung von Drainagegenossenschaften bejahen, da Planungsarbeiten einen gewissen Zeitraum erforderten bevor die Maßnahmen zur Durchführung kommen konnten. So müssen z. B. m. E. die Planungs- und Vermessungsarbeiten für den Neubau der Chaussee von Gahlen-Hilpertswerder-Gleisgarben bis zum Anschluss nach Peterkeim nahezu fertig gewesen seine, da bereits im Jahre 1934 mit dem Bau dieser Chaussee durch den RAD begonnen wurde. Geplant waren ferner m. W. der Neubau des Kreiskrankenhauses und des Kreishauses. Der Nenbau des Kreiskrankenhauses ist Im Jahre 1934 begonnen und im Jahre 1935 beendet werden. Die Baukosten hatten ca. 300.000 RM betragen (s. auch unter Krankenhaus). In der Stadt war der Neubau einer Volksschule geplant, der aber erst in den Jahren 1936/37 ausgeführt wurde.

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II a)

Die Auswirkungen der Machtübernahme in der Personalpolitik der Kreis-und Stadtverwaltung oder auch von Angestellten, selbst von untergeordneter Bedeutung, vakant wurden durften diese nur mit Zustimmung der Kreisleitung mit Angehörigen der NSDAP besetzt werden. So wurden auch Im Zuge der Gleichschaltung durch die NSDAP alle Stellen der Amts- und Gemeindevorsteher (Bürgermeister), Standesbeamten und Wahlvorsteher mit Mitgliedern der NSDAP besetzt, insoweit nicht schon ein Teil von diesen inzwischen der Partei als Mitglied nach der Machtübernahme beigetreten waren. Die Umbesetzung hat wohl verschiedentlich zu Verärgerungen geführt. Ich kann aber sieht sagen, daß es zu Spannungen nennenswerter Art gekommen ist. So wurden auch alle Vereinsvorsitzenden und Obermeister der Innungen durch Mitglieder der NSDAP besetzt. Kreistag und Stadtverordnetenversammlung wurden abgeschafft und die Mitglieder des Kreisausschusses und des Magistrats von der Partei bestimmt. Durch diese Besetzung war der Einfluss der Partei, gewährleistet. Ich kann aber nicht sagen, dass die Partei unberechtigte gesetzwidrige Versuche, abgesehen von der Stellenbesetzung und Gleichschaltung, unternommen hat, um in die Verwaltungsangelegenheiten, die Aufgaben der Polizei und öffentlichen Einrichtungen einzugreifen. Es hat wohl auch hier oft verschiedentlich Verärgerungen gegeben, aber zu ausgesprochenen Spannungen haben diese nicht geführt. Ich möchte diese Angaben noch dadurch erhärten, dass während meinen Amtstätigkeit bis zum 28.2.1941 wegen parteischädigenden Verhaltens oder Verächtlichmachung der Partei oder Ihrer Mitglieder, keine Verfahren geschwebt hatten oder irgend jemand verurteilt worden ist.

II b)

Der Kreis war in zwei Gendarmerie-Abteilungen (Angerapp u. Trempen), 5 Gendarmerieämter und 15 Gendarmerieposten eingeteilt. Der Führer der Gendarmerie-Abteilung Angerapp war gleichzeitig Kreisführer. Seiner Abteilung unterstanden zwei Ämter mit je einem Meister und 6 Gendarmerieposten. Dem Abteilungsführer der Abteilung Trempen unterstanden 3 Gendarmerieämter mit je einem Meister und 9 Gendarmerieposten. 1 Gendarmeriemeister war ausschließlich für die Preisüberwachung tätig, er unterstand dem Kreisführer direkt. (Perrey). Die Sollstärke betrug:

a) 1 Kreis-und Abteilungsführer in Angerapp (Perrey).
b) 1 Abteilungführer in Trempen
c) 5 Gendarmeriemeister – für die Ämter Angerapp und Kleinlautersee (Abtlg. Angerapp) und für die Ämter Trempen, Kl. Beynuhnen und Sodehnen (Äbtlg. Trempen)
d) 15 Gendarmeriehauptwachtmeister bzw. Oberwachtmeister (zu jedem Gendarmerietamt gehörten außerdem Gendarmeriemeister und je 3 Gendarmeriebeamte)
e) 1 Gendarmeriemeister für die Preisüberwachung

Besondere Aufgaben waren der Polizei nicht zugeteilt. An militärischen Anlagen waren die Kasernen, die vor dem Weltkrieg für ein Infanterie-Bataillon ausreichten, vorhanden. Zu der Kasernen-Anlage gehörte ein Familienwohnblock, das Wachlokal, das als Wohnung für den Obersteuerinspektor umgebaut war, und das Standortlazarett, in dem sich das Finanzamt und die Wohnungen für den Finanzamtsvorsteher und dem Hausmeister befanden. Als militärische Anlage ist noch der Schießstand in der Gegend von Gembern (Mallenuppen) zu nennen. Nach dem 1. Weltkrieg war der 1. Kasernenblock (Südseite) zur Hälfte als Oberschule eingerichtet, während die andere Hälfte und der zweite Block als Wohnungen eingerichtet waren. Nach Einführung der Arbeitsdienstpflicht wurden diese 1 1/2 Blocks von einer Abteilung des RAD und einem Gruppenstab des RAD belegt. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht standen die Aufgaben der Wehrmacht in Vordergrund. So wurden die Verbände für die Verteidigung der Heimat aufgestellt, Befestigungs- und Verteidigungsanlagen im Kreise jedoch nicht gebaut. In Jürgenfelde wurde ein Feldflugplatz und zwischen Rösningen und Bidenteich an der Chaussee Angerapp – Goldap ein Tarnflughafen gebaut. Bis ins Kleinste vorbereitet wurde die Räumung des Kreises. Die Kreise in Ostpreußen waren in Räumungs-u. Bergekreise I, II. und III. Ordnung eingeteilt. Der Kreie Angerapp war Bergungskreis I für den Kreis Goldap und Räumungskreis II. 

Diese Einteilung hatte zu bedeuten, dass bei drohender Gefahr der Feindbesetzung der Kreis Goldap sein gesamtes Räumungsgut in den Kreis Angerapp zu schaffen hatte, und bei weiterem Vordringen des Feindes das Räumungsgut des Kreises Goldap mit dem des Kreises zunächst in den Kreis Goldap zu bringen war. Sowohl die zu treffenden Maßnahmen der Bergung als auch die der gesamten Räumung waren bestimmt, die Marschwege für jeden Tag festgelegt die Quartiere und Ruhetage bestimmt, die Führer der Kolonnen eingeteilt, die Zahl der für die Räumung erforderlichen Eisenbahnwagen mit der Bahn abgesprochen, und die eingeteilten Räumungs- und Bergungskommissare bereits vor Ausbruch des Krieges von mir wiederholt in ihre Aufgaben eingewiesen. Wenn die Räumungsbefehle rechtzeitig oder überhaupt ergangen wären, hätte es zu dieser Katastrophe in Ostpreußen nie kommen können. Zusammenlegungen von Gemeinden haben auf Grund der Gemeindeordnung vom 30.1.1935 nicht mehr stattgefunden. Eine Zusammenlegung von Gemeinden hatte bereits bei der Auflösung der Gutsbezirke im Jahre 1927 stattgefunden. In den Jahren 1935/36 erfolgte lediglich die Umbenennung der Ortschaften mit fremdländisch klingenden Namen.

Die Auswirkungen der Machtübernahme in der Personalpolitik der Kreis-und Stadtverwaltung oder auch von Angestellten, selbst von untergeordneter Bedeutung, vakant wurden durften diese nur mit Zustimmung der Kreisleitung mit Angehörigen der NSDAP besetzt werden. So wurden auch im Zuge der Gleichschaltung durch die NSDAP alle Stellen der Amts- und Gemeindevorsteher (Bürgermeister), Standesbeamten und Wahlvorsteher mit Mitgliedern der NSDAP besetzt, insoweit nicht schon ein Teil von diesen inzwischen der Partei als Mitglied nach der Machtübernahme beigetreten waren. Die Umbesetzung hat wohl verschiedentlich zu Verärgerungen geführt. Ich kann aber sieht sagen, dass es zu Spannungen nennenswerter Art gekommen ist. So wurden auch alle Vereinsvorsitzenden und Obermeister der Innungen durch Mitglieder der NSDAP besetzt. Kreistag und Stadtverordnetenversammlung wurden abgeschafft und die Mitglieder des Kreisausschusses und des Magistrats von der Partei bestimmt. Durch diese Besetzung war der Einfluss der Partei, gewährleistet. Ich kann aber nicht sagen, dass die Partei unberechtigte gesetzwidrige Versuche, abgesehen von der Stellenbesetzung und Gleichschaltung, unternommen hat, um in die Verwaltungsangelegenheiten, die Aufgaben der Polizei und öffentlichen Einrichtungen einzugreifen. Es hat wohl auch hier oft verschiedentlich Verärgerungen gegeben, aber zu ausgesprochenen Spannungen haben diese nicht geführt. Ich möchte diese Angaben noch dadurch erhärten, dass während meinen Amtstätigkeit bis zum 28.2.1941 wegen parteischädigenden Verhaltens oder Verächtlichmachung der Partei oder Ihrer Mitglieder, keine Verfahren geschwebt hatten oder irgend jemand verurteilt worden ist.

II c)

Die Zahl der Arbeitslosen war um das Jahr 1932, gemessen an dem Wirtschaftsverhältnissen des Kreises und der Stadt recht erheblich. Sie betrug, soweit ich mich entsinne, über 1.000. Die Bautätigkeit war völlig zum Erliegen gekommen. Nach der Machtübernahme wurde die Arbeitslosigkeit beseitigt und die einzelnen Kreise wetteiferten, welcher Kreis zuerst die Beseitigung der Arbeitslosigkeit melden konnte. Ich bezweifele aber die Richtigkeit der ersten Meldungen. Seit dem Jahre 1935 gab es im Kreise keine Arbeitslosen mehr.

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III

Über die Höhe der Haushalte und das Steueraufkommen des Kreises und der Stadt vermag ich nähere Angaben nicht zu machen. Ich erinnere mich nur, dass sich der Etat des Kreises vor Ausbruch des Krieges der Millionengrenze näherte. Über die Höhe das Staatszuschusses für die Oberschule in Angerapp wermag ich auch keine Angaben zu machen. Kostenträgerin der Oberschule waren der Kreis und die Stadt. Staatszuschüsse für Kreis und Stadt hat en nicht gegeben, da ihre finanzielle Lage gesund war. Die für die Volksschulen gewährten Ergänzungszuschüsse flossen in die Gemeindekasse. Die Zahlung dieser Zuschüsse wurde durch das Volksschul-Unterhaltungsgesetz geregelt.

IV

Die Mobilmachung lief nach den vorbereiteten Maßnahmen planmäßig und reibungslos ab. Der Aufbau des Ernährungs- und Wirtschaftsamtes war bereits vor Ausbruch des Kriege in personeller und sachlicher Hinsicht nach dem Mobilmachungskalender vollzogen, so dass diese beiden Ämter sofort mit ihrer Arbeit beginnen konnten. Die Zusammenarbeit mit den Militärischen Dienststellen war gut. Nach Räumung der Kaserne durch den ARD wurde diese durch die Wehrmacht belegt. So sind während des Krieges noch in der Nähe vom Bahnhof Angerapp West Baracken für ein Bataillon gebaut worden. Ich war aber zu dieser Zeit nicht mehr in Angerapp tätig. Gefangenenlager befanden sich in Angerapp und Rauben. Das Gefangenenlager in Angerapp war in der alten Volksschule, die vor dem Krieg als Berufsschule benutzt wurde, untergebracht. Dieses Lager war ausschließlich mit Gefangenen aus Frankreich, Belgien, England und Holland belegt. Es können ungefähr 60–100 Mann dort untergebracht gewesen sein. Diese Gefangenen wurden ausschließlich in Handels-, Gewerbe- und Handwerksbetrieben in der Stadt beschäftigt. Das Lager in Rauben war nur mit Russen belegt, die in dem Kreistorfwerk arbeiteten. Das Lager war ungefähr 40 Mann stark. Der Landrat hat es mir einmal gezeigt, als ich in Urlaub war. Die genaue Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Kriegsgefangenen vermag ich nicht mehr genau anzugeben; ich schätze aber, daß es 800 – 1000 Mann gewesen sein müssen. Der Luftschutz war in der Stadt und im Kreise nach den Richtlinien den Luftschutsgesetzes organisiert, aufgestellt und ausgebildet. Während meiner Tätigkeit war der Luftschutz nicht eingesetzt. Er ist m.E. auch nicht mehr zum Einsatz gekommen, da die Stadt bei den Luftangriffen bereits geräumt war. Der Kreis und die Stadt waren auch mit Bomben- Evakuierten, meistens aus Berlin, belegt. Die Belegung fand aber erst statt, als ich zum Heeresdienst eingezogen war. Über die Bombenangriffe, Stellungsbauten gegen Kriegsende, Volkssturm und die Räumungsplanungen und -maßnahmen gegen Kriegsende kann ich nichts angeben. M. E. hätten die bereits vorhandenen Pläne für die Bergung und Räumung nur in personeller Hinsicht einer Überprüfung bedurft. Ich beziehe mich hierbei auf meine Ausführungen

zu II b)

Wenn meine Angaben z. T. geschätzt sind, hoffe ich dennoch Ihnen mit meinen Ausführungen einige Ergänzungen und Bestätigungen für bereits vorliegende Ausführungen und Berichte gemacht zu haben. Beiträge zu meinen Bericht lieferten mir Herr Dr. Breyer und Herr Ernst Ehrlich, denen ich an dieser Stelle meinen besten Dank sagen möchte. Herr Dr. Breyer war Schlachthoftierarzt in Angerapp und Herr Ehrlich Sachbearbeiter für Fischerei, Jagd- und Wehrmachtangelegenheiten auf dem Landratsamt in Angerapp.

Nachtrag von Herrn Ehrlich
„Wir hatten wiederholt Bombenangriffe der Russen in der Stadt und im Kreise zu überstehen. Von Amtswegen oblag mir die Aufgabe, Anzahl der eingeflogenen Flugzeuge festzustellen und die Bombemschäden im Verein mit dem Kreisführer der Gendarmerie zu ermitteln, siehe z. B. Umhöfer, Gründann, ferner in Naujokon, Thalau usw. Es handelte sich meistenteils um Bombentrichter von 15–20 m Durchmesser und ca. 3 m Tief. Die Einflüge erfolgten des Nachts von einzeln fliegenden Maschinen (den sogenannten „Nähmaschinen“. Schäden wurden an Gebäuden und Viehbeständen festgestellt.“

Einzelne Daten

Abdeckerei

Die Abdeckerei gehörte kommunalrechtlich zur Stadt Angerapp. Sie lag ca. 1 1/2 km vor der Stadt Angerapp, hinter der Bahnstrecke Angerapp – Angerburg, an der Chaussee von Angerapp nach Gudwallen. Die Abdeckerei gehörte den Abdeckereibesitzer Spieshöfer, der auch im Besitze der Gerechtigkeit für den gesamten Kreis Angerapp war. Die Zahl der jährlieh anfallenden Tiere bew, über die Kapazität ist mir nichts Näheres bekannt.

Arbeitsdienst

Es waren vorhanden:
a) die männliche Arbeitsdienstlager in Angerapp Altheide und Gleisgarben und
b) die weiblichen Arbeitsdienstlager in Auerfluß.

Es haben gebaut:
Da Arbeitsdienstlager in Angerapp, die Chaussee von Großragauen über Klein-Ragauen, über den Kallner Höhenzug nach Ballethen zu dem Anschluss der Chaussee Bruderhof – Ballethen. Das Arbeitsdienstlager führte ferner Gemeindewegebauten und systematische Drainagearbeiten einiger Drainagegenossenschaften aus.

Träger der Vorhaben waren:
a) für die Chaussee der Kreis
b) für die Gemeindewegebauten die betreffende Gemeinde,
c) für die Drainagearbeiten die in Frage kommenden
d) Drainagegenossenschaften
e) das Arbeitsdienstlager in Altheide

Die Chaussee von Kl. Angerapp über Meßken durch den Altheider Forst bis zur Angerburger Kreisgrenze bis zum Anschluß nach Benkheim.

Arbeitsdienstlager in Gleisgarben:
Träger für die Chausseearbeiten war jeweils) Die Chaussee von Gahlen über Jagotischen Gleisgarben zum Anschluß Peterkeim nach Masutschen zur Reichsstrasse Insterburg-Angerapp-Goldap.

Das weibliche Arbeitsdienstlager in Auerfluß.
Die Belegschaften dieses Lagers waren in der Hauptsache bei den Siedlern in Auerfluß eingesetzt und arbeiteten teils in den Haushalten, wurden aber auch zu Feldarbeiten (Ernteeinsatz) in den Siedlerbetrieben herangezogen.

Altersheime

Kreisgemeinschaft Angerapp (Darkehmen) in der Landsmannschaft Ostpreußen e. V.

Patenkreis der Kreisstadt Mettmann

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